Veröffentlicht am 4. Juli 2025

Milchmarkt: Analyse der aktuellen Entwicklungen

Milch und Milchprodukte
Die aktuellen Entwicklungen des Milchmarktes in der Schweiz und international zeigen einen leichten Rückgang der Milchproduktion, eine anhaltend hohe Nachfrage und einen Aufwärtstrend bei den Preisen und den Preisindikatoren. Die Lagerbestände an Butter und Magermilchpulver sinken. Der Aussenhandel mit Käse legt zu, sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen. Die weitere Marktentwicklung ist vor dem Hintergrund der aktuellen Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Kursänderungen in der internationalen Handelspolitik schwer vorhersehbar.
Fachbereich Marktanalysen BLW
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Leichter Rückgang der Milchproduktion

In der Schweiz war die Milchmenge, die im ersten Quartal 2025 in Verkehr gebracht wurde, niedriger als in der entsprechenden Vorjahresperiode (‒1,7 %, Schalttag nicht bereinigt). Die ungünstigen Witterungsbedingungen im Frühling 2024 und ihre negativen Auswirkungen auf die Winterfutterernte haben zu diesem Rückgang beigetragen. In der EU nahm die produzierte Milchmenge von Januar bis März 2025 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,9 Prozent ab. Mit Blick auf die globale Milchproduktion lässt sich feststellen, dass die Milchproduktion in den Vereinigten Staaten von Amerika (‒0,3 %) und vor allem in Australien (‒2,5 %) ebenfalls rückläufig war, während sie in Neuseeland leicht zunahm (+0,4 %).
Was die Milchverwertung betrifft, nahm die Milchmenge für Käse (+1,1 %) im ersten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, während sie für Konsummilch (‒2,6 %), Butter (‒10,2 %) Dauermilchwaren (‒15,2 %) abnahm. Diese Zahlen belegen, dass in der Schweiz mehr Milch in den Marktsegmenten mit einer relativ hohen Wertschöpfung verarbeitet wurde, wie beispielsweise Käse. Dies ist insbesondere auf die hohe Nachfrage nach einzelnen Schweizer Frischkäsesorten zurückzuführen. In den Marktsegmenten mit einer geringeren Wertschöpfung wie Butter und Dauermilchwaren, insbesondere Milchpulver, wurde hingegen eine rückläufige Tendenz bei der verarbeiteten Milchmenge beobachtet.

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Daten und Abbildungen Milch Juli 2025

Daten und Abbildungen Milch Juli 2025

Daten und Abbildungen Milch Juli 2025

XLSX    |    04.07.2025

Höherer Produzentenpreis für Milch

Der Produzentenpreis für Milch stieg im ersten Quartal 2025 im Vergleich zur Vorjahresperiode sowohl in der Schweiz als auch in den Nachbarländern und in der EU.
Der schweizerische Produzentenpreis für Milch kletterte im ersten Quartal 2025 auf 75,38 Rappen pro Kilo und verzeichnet damit ein Plus von 3,1 Prozent. Auch im April 2025 stieg der Produzentenpreis für Milch an (+2,4 %). Was den Preis für Molkereimilch betrifft, so zeigt der Trend im ersten Quartal 2025 ebenfalls nach oben: Sowohl im A-Segment (+2,9 % auf 77,51 Rp./kg) als auch im B-Segment (+1,9 % auf 53,50 Rp./kg) lässt sich ein Preisanstieg feststellen.
In der EU wurde im ersten Quartal 2025 ein stärkerer Anstieg des Produzentenpreises für Milch verzeichnet (+15,2 %). In den Nachbarländern nahm der Produzentenpreis für Milch im ersten Quartal 2025 zu, beispielsweise in Deutschland (+18,3 %), in Frankreich (+7,2 %) und in Österreich (+14,1 %). Die günstige Entwicklung von Angebot und Nachfrage trägt zum Aufwärtstrend beim Produzentenpreis für Milch bei. Weitere wichtige Indikatoren der aktuellen Marktentwicklung sind nachfolgend dargestellt.

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Weitere Indikatoren der aktuellen Marktentwicklung

Höhere EU-Preise für Milchpulver und vor allem für Butter: In der EU war der Preis für Butter im April 2025 deutlich höher als in der entsprechenden Vorjahresperiode (+28,5 % auf 737,9 €/100 kg). Der Preis für Magermilchpulver erhöhte sich dagegen weniger stark (+2,4 % auf 245,5 €/100 kg). Betrachtet man den Durchschnittswert von Januar bis April 2025, so lag der Preis für Magermilchpulver und vor allem für Butter höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres (+1,8 % bzw. +31,7 %). Es ist festzustellen, dass sich Butter in der EU derzeit stark verteuert, während die Preise für Magermilchpulver nur leicht ansteigen.
Preise für Industrieprodukte in der Schweiz steigen: In der Schweiz erhöhte sich der durchschnittliche Preis für Industriebutter (+3 %), Magermilchpulver (+3,4 %) und Vollmilchpulver (+1,9 %) von Januar bis April 2025 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Preisindex für Rahm zur Butterherstellung nahm im ersten Quartal 2025 im Vorjahresvergleich um 2,8 Punkte zu.
Anstieg der Käsepreise in der EU: In der EU war der Durchschnittspreis für die wichtigsten beobachteten Käsesorten in den vier ersten Monaten des Jahres 2025 höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Er erhöhte sich für Emmentaler (+3,8 %), Gouda (+13,9 %), Edamer (+12,6 %) und vor allem für Cheddar (+26,8 %).       
Molkereimilchpreisindex legt zu: Der Molkereimilchpreisindex ist eine vergangenheitsbezogene Grösse. Sie bildet die Entwicklung der Preise von Molkereimilchprodukten für den Detailhandel und die Industrie sowie der Produzentenpreise für Milch in den umliegenden Ländern ab. In der Schweiz verzeichnete der Molkereimilchpreisindex im März 2025 im Vergleich zum März 2024 einen Anstieg (+6,1 Punkte auf 114,63 Punkte) und kletterte damit auf seinen höchsten Stand seit 2009. Auch im April 2025 nahm der Index im Vergleich zum April 2024 zu (+4,7 Punkte). Diese Entwicklungen sind unter anderem auf die Preisanstiege in der EU, insbesondere von Butter, zurückzuführen.
Anstieg des Spotpreises für Milch in der EU: Der Spotpreis für Milch (Preis auf dem Spotmarkt) in Italien hat im Vergleich mit den entsprechenden Vorjahresmonaten im Mai 2025 um 14,9 Prozent und im Juni 2025 um 11,6 Prozent zugenommen. Der Durchschnittspreis für den Zeitraum von Januar bis April 2025 liegt deutlich über dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums (+23,8 %).
Börsenmilchwert stabil: Der Milchwert an der EEX (European Energy Exchange, Leipzig), vom ife Institut publiziert, weist derzeit einen bis Ende 2025 nahezu stabilen Trend auf.
Wertsteigerung des Rohstoffs «Milch» gemäss ife Kiel: Im April 2025 ist der vom ife publizierte Kieler Rohstoffwert Milch in Deutschland im Vergleich zum April 2024 um 19,5 Prozent gestiegen. Der Durchschnittswert für den Zeitraum von Januar bis April 2025 lag deutlich höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres (+21,5 %).
FAO-Preisindex für Milchprodukte steigt stetig: Im April 2025 verzeichnete der FAO-Preisindex für Milchprodukte, der sich auf die Weltmarktpreise bezieht, einen Aufwärtstrend (+28,4 Punkte) im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im Mai 2025 stieg er gegenüber dem Vormonat nochmals um 1,3 Punkte an. Damit verzeichnete er den zehnten Monat in Folge einen Anstieg. Der Durchschnittsindex von Januar bis April 2025 lag 26,2 Punkte über dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Der derzeitige Anstieg ist gemäss FAO insbesondere auf die hohe Nachfrage in Asien und das begrenzte Angebot in der EU infolge von ungünstigen Witterungsbedingungen und Tierseuchen zu Beginn des Jahres zurückzuführen.
Lagerbestände an Butter und Milchpulver verkleinern sich: In der Schweiz waren die jeweils am Monatsende gemessenen Lagerbestände an tiefgefrorener Butter im Jahr 2025 niedriger als 2024 (‒21,9 % im April 2025). Beim Milchpulver waren die Bestände beim Magermilchpulver ebenfalls geringer als im Vorjahr. Der Rückgang der Lagerbestände an Butter gegenüber dem Vorjahr ist hauptsächlich auf die Ausfuhr von Rahm und Butter im Rahmen der von der Branche ergriffenen Massnahmen zur Marktregulierung zurückzuführen.
Käseexporte und -importe nehmen zu: In der Schweiz legten die Käseexporte von Januar bis Mai 2025 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,6 Prozent zu. Auch die Importe erstarkten (+1,8 %). Die Käseexporte in die USA sind im Mai 2025 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16,9 Prozent zurückgegangen. Damit setzte sich der Abwärtstrend gegenüber 2024 den vierten Monat in Folge fort. Der stärkste Rückgang war im April 2025 zu beobachten (‒41,1 %). Die USA zählen zu den Hauptabnehmern von Schweizer Käse. Eine Neuausrichtung der amerikanischen Handelspolitik wirkt sich daher auf den gesamten Schweizer Milchmarkt aus. Allerdings sind diese Auswirkungen nur schwer vorhersehbar, insbesondere vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Kursänderungen der amerikanischen Aussenhandelspolitik.

© Fachbereich Marktanalysen BLW, CLAL, Ife, Europäische Kommission, FAO

Fazit

Die beobachteten Indikatoren zeugen von einer leicht rückläufigen Milchproduktion, einer anhaltend hohen Nachfrage und einem Anstieg der Preisindikatoren weltweit. Im ersten Quartal 2025 war die Milchproduktion in der EU und in anderen führenden Erzeugerländern im Vorjahresvergleich leicht rückläufig. In den Nachbarländern und in der EU liess sich zudem ein Anstieg der Preise für Rohmilch, Butter, Magermilchpulver und Käse beobachten. Auch bei den wichtigsten Indikatoren der Marktentwicklung wie dem Spotpreis für Milch in der EU und dem vom ife Institut herausgegebenen Rohstoffwert Milch zeigt der Trend nach oben. Der FAO-Preisindex für Milchprodukte verzeichnet ebenfalls einen Aufwärtstrend, der insbesondere auf die hohe Nachfrage in Asien zurückzuführen ist.
In der Schweiz war die Milchproduktion im ersten Quartal 2025 im Vorjahresvergleich ebenfalls leicht rückläufig. Dahingegen verzeichneten die Preise für Rohmilch, Butter und Milchpulver einen Aufwärtstrend. Auch der Preisindex für Rahm zur Butterherstellung erhöhte sich. Der Molkereimilchpreisindex verzeichnete 2025 höhere Werte als im Vorjahr. Die Lagerbestände an Butter und Milchpulver verkleinern sich. Dagegen nehmen die Käseexporte und -importe zu.
Der Schweizer Milchmarkt ist zum Teil vom Weltmilchmarkt und insbesondere vom europäischen Milchmarkt abhängig. Die Entwicklungen der meisten internationalen Milchmarktindikatoren wirken sich häufig mit einer leichten Verzögerung auch auf die Schweiz aus. Die Auswirkungen dieser internationalen Entwicklungen auf die Schweiz sind allerdings nur schwer vorhersehbar, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Kursänderungen in der internationalen Handelspolitik.

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